ANÜ oder Freiberufler - Entscheide!

Freiberufler oder ArbeitnehmerÜberlassung – Entscheide!

Was kommt für dich in Frage ANÜ oder Freiberufler?

 

Ich hatte einige Monate in der Freiberuflichen Pflege gearbeitet und mein letzter Auftrag wurde nicht wie angekündigt verlängert. Eine kurzfristige Entscheidung für einen Neuauftrag war notwendig geworden, aber auf die Schnelle fand sich kein passender Auftrag als Freiberufler, lediglich Aufträge im Rahmen der ANÜ.

Das hatte ich bis dahin noch nicht. Zu diesem Zeitpunkt war mir wichtig einen Anschlussauftrag zu haben und so entschloss ich mich es im Folgemonat auszuprobieren. Der Auftrag sollte einen Monat dauern und mein Plan war, danach wieder einen freiberuflichen Auftrag anzunehmen.

Du fragst dich sicher, geht das?
ANÜ oder Freiberufler, du kannst diese zwei Formen im Laufe eines Jahres mischen, es ist allerdings mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden. Zum einen musst du Finanzamt und Krankenkasse informieren, zum anderen musst du kalkulieren wieviel du in der ANÜ netto bekommst.

Das kann mehr aber auch weniger sein.

Das Finanzamt gibt dir in der Freiberuflichkeit eine Lohnsteuervorauszahlung an und wenn du in die ANÜ wechselst, fällt diese weg. Deshalb musst du das Finanzamt informieren. Die Rentenversicherung kannst du auch informieren, das übernimmt in der Regel aber deine Krankenkasse. Die Krankenkasse musst du in jedem Fall frühzeitig informieren, denn sie zieht dir im Rahmen der Freiberuflichkeit den Beitrag vom Vormonat aufgrund deiner Verdienstangaben von deinem Konto ein. damit du dies rechtzeitig stoppen kannst, musst du Deine Krankenversicherung so früh wie möglich über die Änderung deiner Einkünfte informieren.

 

Begriffe ANÜ oder Freiberufler

ANÜ = Arbeit-Nehmer-Überlassung

Auch als „Leiharbeit“ oder „Body-Leasing“ bekannt.
Du bist angestellt bei einer Personal-Vermittlungsagentur, entweder unbefristet mit eventuellen Leerphasen, in denen du entsprechend weniger verdienst oder befristet für einen Auftrag unddDu bestimmst über die Zeit, die du für diesen Auftrag zur Verfügung stehst.

Beispiel:
Ein Krankenhaus gibt deiner Agentur einen Auftrag für die nächsten zwei Monate (insbesondere bei neuen Auftraggebern, die i.d. Regel ersteinmal die Agentur testen wollen) und du sagst zu.
Während des ersten Monats entscheidet der Auftraggeber, den Auftrag um weitere zwei Monate zu verlängern und du sagst für insgesamt drei Monate zu.
Oft verlängert der Auftraggeber ein weiteres Mal den Auftrag.
Dann ist von dir Flexibilität gefragt, besonders wenn der Auftrag für dich attraktiv ist.

 

Freiberuflichkeit

Selbständiger Unternehmer in einem freien Beruf, in der Regel ohne Arbeitnehmer mit allen Rechten aber auch allen Pflichten als Unternehmer.
Du bist freiberuflich tätig, bist dein eigener Unternehmer und lässt dich durch eine oder mehrere Agenturen vermitteln.
dein Honorar ist der Umsatz, den du machst. Du kümmerst dich selbst um deine Abgaben wie Steuer und Versicherung.
Auch um deine Betriebsausgaben kümmerst du dich selbst.

Siehe auch: Virtueller Assistent VA

 

Verdienst

Das ist sicher der wesentliche Punkt im Vergleich der beiden Arbeitsmodelle.
Während man in der Freiberuflichkeit wie ein eigener Unternehmer arbeitet, ist man bei der ANÜ befristet oder unbefristet bei einer Agentur angestellt.
Als eigener Unternehmer unterliegt man nicht dem Arbeitszeitschutzgesetz und kann solange arbeiten, wie man möchte. Das heißt auch, dass du Doppelschichten (06:00 – 20:00 Uhr oder bis 22:00 Uhr) arbeiten kannst und dadurch sehr hohe Umsätze erzielen kannst, die um die 10.000,- €/Monat liegen können.
Diese Möglichkeit hast du im Rahmen der ANÜ nicht. Auch dort kannst du im Monat auf bis zu 200h kommen, diese müssen jedoch im Rahmen des Arbeitszeitschutzes durch entsprechende Freizeit ausgeglichen werden.
Ausnahme: wenn du einen auf einen oder wenige Monate befristeten Auftrag hast, ist es in dieser Zeit in der Regel kaum möglich, Mehrstunden per Zeitausgleich abzugelten. Diese werden dann ausbezahlt.
Ähnlich verhält es sich mit Urlaub. Bei einem Monatsauftrag ist es kaum möglich, dass du deine zwei Tage Urlaub nimmst, die deshalb ausbezahlt werden.
Agenturen bieten oft sehr attraktive Vergütungsmodelle beispielsweise mit Überstundenzuschlag ab 145h/Monat aufwärts.

Die erzielbaren Stundensätze unterscheiden sich zunächst deutlich. Lass dich aber nicht täuschen!
Um beides wirklich miteinander vergleichen zu können, mußt du bei der ANÜ immer den Arbeitgeberanteil der Sozialversicherungsbeiträge zu deinem Bruttogehalt hinzurechnen. Das sind zwar Beträge, die du nie zu Gesicht bekommst, aber sie gehören zu deinem Gehalt dazu und erst dann werden beide Einkunftsarten miteinander vergleichbar.

Je nach deiner Erfahrung und deinem Fachgebiet kann es sein, dass du in der ANÜ deutlich mehr Netto hast als in der Freiberuflichkeit. Das ist kein Grundsatz und Du solltest das für den jeweiligen Auftrag im Einzelnen berechnen. Das verhindert jedenfalls böse Überraschungen.

Siehe auch: Gehaltsrechner Freiberuflichkeit/ANÜ

 

Arbeitszeiten/Urlaub

In der ANÜ hast du in aller Regel 30 Tage bezahlten Jahresurlaub (2,5 Tage je Monat). Bist du in einem Auftrag der nur wenige Monate dauert, musst/kannst du innerhalb dieser Zeit deinen Urlaubsanspruch nehmen. In der Regel ist dies zum Ende des Auftrags. Bei einigen Agenturen ist es auch möglich, den Urlaub aus mehreren Aufträgen zu deiner Wunschzeit zu nehmen
Zwischen zwei Aufträgen kannst du, in Abstimmung mit deiner Agentur so lange unbezahlt Frei oder Urlaub nehmen wie du möchtest bzw. wie es dir dein Geldbeutel erlaubt.
In der Freiberuflichkeit kannst du machen was du willst, solltest aber auf deine Auftraggeber Rücksicht nehmen und nicht während eines Auftrags Urlaub nehmen. Das solltest du sinnvoller Weise zwischen zwei Aufträgen machen.

Wichtig ist:

Wenn angestellte Kolleginnen und Kollegen Urlaub machen, gibt es viele attraktive Aufträge mit entsprechenden Zuschlägen. Also Urlaub in der Nebensaison planen!

 

Mehr- und Überstunden

In der ANÜ kannst du im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes Mehr- und Überstunden machen, die primär mit Freizeit ausgeglichen werden. Bei kurzen Aufträgen von einem bis wenigen Monaten ist dies i.d. Regel nicht möglich, weshalb diese Überstunden ausbezahlt werden. Viele Agenturen vergüten dies gesondert mit einem Überstundenzuschlag.
Auch bei „Notfällen“ beim Auftraggeber kann es zu Mehrstunden kommen. Dies sieht das Arbeitszeitschutzgesetz für die Krankenpflege explizit vor.
Beispiel: Du hattest Nachtdienst und die verantwortliche Pflegefachkraft für den Frühdienst kommt nicht oder erst verspätet zum Dienst oder ein Ausfall wg. plötzlicher Erkrankung liegt vor. Dann können Mehrstunden bis hin zu einer Doppelschicht anfallen. Aber das muss immer die Ausnahme bleiben.

Als Freiberufler bist du selbständige/r Unternehmer/in. Als Unternehmer/in bist du für dich selbst verantwortlich und kannst arbeiten so viel du willst. Einige Auftraggeber haben darauf ein Auge und werden Dinge wie Doppelschichte nicht zulassen, oft mit dem Argument der Versorgungsqualität. Aber in der Realität bestimmt der Personalbestand wieviel Stunden du täglich leisten kannst.

Siehe auch: Deine Verdienstmöglichkeiten

 

Perspektive allgemein

Auftraggeber entscheiden sich derzeit stark für das Modell der Arbeitnehmerüberlassung. Sie wollen keine Scherereien mit den Sozialversicherungen. Und da schon einige Auftraggeber verklagt wurden, kann ich verstehen, dass sie die damit unangenehme Publicity dringend vermeiden wollen.
Die derzeitigen Arbeitnehmerüberlassungsmodelle ermöglichen es dir vielfach, denselben Nettoverdienst zu haben, wie es dir die Freiberuflichkeit ermöglicht. Ich habe oft erlebt, dass der Nettoverdienst sogar höher sein kann wie in der Freiberuflichkeit.

 

Perspektive politisch

Unsere Politik geht oft seltsame Wege und die Entscheidungen die getroffen werden, sind häufig nicht von rationalen Überlegungen sondern von parteipolitischen Machtkämpfen geprägt.
Die Politik trifft ihre Entscheidungen und der Markt und seine Teilnehmer lassen sich neue Wege einfallen, ihre Geschäfte zu tätigen. Das ist nicht nur in Deutschland so, das ist weltweit so.
Im Augenblick steht die Freiberuflichkeit unter Druck, das kann und wird sich wieder ändern. So lange wirst du nicht warten wollen. Geh deinen Weg, entscheide Dich!

 

Auftragslage

Aufträge gibt es genug, auch wenn im Winter „Saure Gurken Zeit“ ist. Es wird in Zukunft eher mehr Aufträge geben. Und wenn du ein guter „Kunde“ deiner Agentur bist, werden sie sich auch im Winter um dich kümmern. Um dies weiter abzusichern empfehle ich dir, bei mehreren Agenturen angemeldet zu sein.

 

Sicherheit

Es gibt keine, weder in dem einen noch in dem anderen Model. Die einzige und tatsächliche Sicherheit die du hast liegen in dir selbst begründet. In der Art, welche Prioritäten du bei der Auftragsauswahl setzt und in der Art, wie du deine Aufträge leistest und welchen Eindruck du bei deinem Auftraggeber und damit bei deiner Agentur hinterlässt. Schon manche Krankenschwester und mancher Krankenpfleger hat im positiven Sinne bei seinem Auftraggeber einen bleibenden Eindruck hinterlassen und sich damit als wertvoller Auftragnehmer für seine Agentur erwiesen.
Wenn du das erreichst, wirst du von deiner Agentur bevorzugt behandelt und man wird dir gerne Aufträge anbieten, die wertvoll sind.

Siehe auch: Du hast einen Wert

 

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Über den Autor

Tobias Brütsch

Krankenpfleger, Unternehmensgründer, Berufspolitik und Verbandsarbeit, Geschäftsführer, MBA in Gesundheitswirtschaft, Freiberufler und Blogger

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